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Novel

Ewige Schatten (Band 3)

Autor:Elena Falkenberg
Alter:16+
👁 10334.5
Werwolf

Inhaltsangabe

Im Traum war der Wald aus Glas. Liv geht zwischen Bäumen, die keine Blätter mehr tragen, nur Reif in der Form von Blättern, als hätte der Winter den Sommer mitten in der Bewegung erwischt und angehalten. Hinter dem letzten Licht spricht etwas, in Worten, die älter sind als Worte — ein Mahlen, wie wenn ein Gletscher sich einen Finger breit weiterschiebt und der ganze Berg es in den Wurzeln spürt. Für einen Herzschlag versteht sie es doch: „Vergessene Schulden. Verlorenes Gleichgewicht.“ Dann öffnen sich zwei Augen, blau wie das Innere einer Gletscherspalte, und ein einziges Wort fällt durch den erstarrten Wald: König. Sie erwacht mit dem Geschmack von Eisen im Mund und tut, was sie jeden Morgen tut, bevor sie überhaupt aufsteht: Sie schiebt den Ärmel ihres linken Arms zurück und sieht nach. Eine schwarze Naht läuft vom Handgelenk aufwärts, weiter als im vergangenen Frühjahr. Im Norden kündigt sich die Kälte an, lange bevor man sie sieht. Erst weicht das Grün — Farn und Fingerhut hören auf, dann liegt nur noch Reif auf schwarzem Holz. Dann weicht der Klang: kein Vogel, kein Bach, kein Wind in den Ästen, nur die eigenen Schritte, die viel zu laut sind in einer Welt, die den Atem anhält. Das Dorf taucht aus dem Nebel auf wie erstarrte Schatten. Über den Häusern liegt eine glasige Schicht; Türen und Fenster sind zugewachsen, nicht mit Schnee, sondern mit Eis, das sich in Wülsten die Rahmen entlanggelegt hat, als wäre es von innen herausgequollen und mitten im Fließen erstarrt. Und dann sieht Liv die Menschen. Sie stehen zwischen den Häusern, dort, wo der letzte Augenblick sie erwischt hat. Raphael geht voran mit gezogenem Schwert, obwohl es nichts gibt, worauf man es richten könnte. Freya hält die Nachhut. Und Liv geht in der Mitte und wünscht, sie könnte an etwas anderes denken als an das Ziehen in ihrem Arm, das mit jedem Schritt nach Norden stärker wird — als führe der Weg sie geradewegs zu seiner Quelle. Dritter und letzter Band. Die Trilogie um Liv Hagen endet dort, wo sie begonnen hat: bei der Frage, was ein Mensch schuldet, der etwas gerufen hat, das er nicht zurückrufen kann.