- Romane
- /
- Im Flüstern des Wolfmondes
Im Flüstern des Wolfmondes
Inhaltsangabe
Sie hatte sich geschworen, niemals zurückzukehren. Und doch fährt Rae Calloway zurück nach Willow Creek – mit ihrer Tochter auf dem Rücksitz, die wissen will, ob es hier Eulen gibt. Der Nebel legt sich um das Auto wie ein lebendiges Wesen, die Tannen säumen die Straße wie stille Wächter, und auf dem verblassten Schild steht der Name des Ortes, den Rae vor Jahren fluchtartig verlassen hat. Umkehren könnte sie noch. Doch der Sog ist stärker als die Angst, und er flüstert nicht nur von Gefahr, sondern von Zugehörigkeit. „Dieser Ort lebt, Lila“, sagt sie. „Das hat er immer getan.“ Es ist keine Lüge. Am nächsten Morgen liegt Nebel am Fenster, und etwas zieht an Lilas Herzen wie der Ruf eines Freundes aus der Ferne. Sie schlüpft barfuß aus dem Bett und geht hinaus. Vor ihr stehen die Bäume still und wartend, als kennten sie ihren Namen. Und irgendwo zwischen ihnen formt sich etwas in der Luft: zwei Silben, dicht an ihrem eigenen Namen vorbei, so nah, dass sie den Mund öffnet, um sie nachzusprechen – und sie schon verloren hat, bevor sie Luft holt. Auf der Tempellichtung hört Kael Maddox an diesem Tag, dass Rae zurück ist. Er weiß nicht, was härter trifft: die Schuld, die Angst oder dieser gefährliche Funke Hoffnung. Die Wölfe nennen es Blutresonanz – wenn der Wald sich an dich erinnert, oder an jemanden, den du nicht mitgebracht hast. Die Stille auf der Lichtung hat sich verändert. Kaum merklich, als hätte der Wald ein Ohr in seine Richtung geneigt. Zwischen Rae und Kael steht die Nacht, in der sie ihn zum ersten Mal so gesehen hat, wie er wirklich ist. Zwischen dem Rudel und dem Frieden steht Lucien, der schon einmal lautlos durch die Schatten zurückgekommen ist und es wieder tut. Und zwischen all dem steht ein Kind, das der Wald anders anspricht als jeden anderen Menschen in Willow Creek. Evelyn, die Raes Großmutter noch gekannt hat, gibt ihr deren Satz weiter: Der Wald sei kein Richter, er sei ein Gedächtnis, und er halte, was er benennen könne. Und dann den zweiten Teil, den Rae als Kind nie verstanden hat. Wenn du etwas aus einem Gedächtnis reißt, bleibt kein sauberer Rand zurück. Es bleibt ein Loch. Und Löcher füllen sich. Immer. Nur selten mit dem, was du erwartest. Erster Band von zwei. Die Geschichte wird in „Vermächtnis der freien Wahl“ zu Ende erzählt.