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Liebesromane an einem Ort

Kapitel 1Prolog


Mein Herz brennt.

Ich spüre, wie es in meiner Brust brennt, mit all ihren undichten Ventilen und dünnen Wänden. Es schlägt sporadisch, drückt und drückt. Drücken und drücken. Meine Lungen brennen, und plötzlich erscheint mir die Luft zu kostbar, zu selten; etwas, das gerade außerhalb meiner Reichweite liegt.

Alles ist immer außerhalb meiner Reichweite.

Schmerzstöße durchfahren mich, von meiner Brust über mein Becken bis zu meinen Zehen. Es ist seltsam, dass genau das, was mich am Leben halten sollte, mich jetzt umbringt. Andererseits hat es mein ganzes Leben lang versucht, mich umzubringen. Ausnahmsweise könnte es gelingen.

Es wird gelingen. Ich drehe meinen Kopf, Haare streichen mir über die Schläfen, während ich meine Wange an den Dreck drücke. Alles ist ein Farbfleck – Rot, Gold, Grau, Schwarz, Schwarz, Schwarz. Schwarz wie die Ränder meines Blickfeldes. Schwarz wie das Kribbeln auf meiner Haut. Schwarze Haare. Schwarze Augen.

In der Ferne ruft jemand meinen Namen und für einen Moment sehe ich Gold. Goldene Augen. Goldene Augen, die erst gelb werden, dann grau, dann nichts mehr. Mein Name wird erneut aufgerufen, aber ich höre ihn nicht. Alles, was ich höre, ist das Brüllen des Feuers in meinen Adern, das sich wie Gift in meinem Gehirn ausbreitet. Spreize meine Beine, Arme und Finger. Sie breiten sich aus wie die tobenden Flammen eines Waldbrandes.

Vielleicht bin ich nur ein Wald, meine Stärke wird von Faktoren bestimmt, die außerhalb meiner Kontrolle liegen. Vielleicht hatte ich nie wirklich die Kontrolle darüber.

Also schließe ich meine Augen.

Und brennen.