Kapitel 2 — Gefangen und verkauft
Callum MacLaren
Die Dunkelheit im Inneren des Wagens lastete schwer, ein Gefängnis aus beklemmender Stille, das nur gelegentlich von dem Keuchen der anderen Gefangenen durchbrochen wurde. Callum spürte den rauen Stoff des groben Sacks, der über seinen Kopf gezogen worden war, an seiner Haut scheuern. Die Ketten um seine Handgelenke schnitten ihm ins Fleisch, und der dumpfe Schmerz seines geschlagenen Körpers ließ ihn immer wieder in einen Dämmerzustand abgleiten.
Die Schreie auf dem Schlachtfeld hallten noch immer in seinen Gedanken wider, ein Echo, das er nicht abschütteln konnte. Culloden. Der Ort, an dem seine Welt zerbrochen war. Seumas. Sein Gesicht tauchte vor Callums innerem Auge auf, jung und voller Leben, bevor ihn der Tod zu früh ereilt hatte. Doch trotz dieser Erinnerungen, trotz der Schmerzen und der Demütigung, blieb der Griff um das Amulett seines Bruders fest. Es war das Einzige, was ihm geblieben war, ein letztes Stück seiner Identität, das ihn daran erinnerte, wer er war und wofür er einst gekämpft hatte.
Das Klappern der Räder auf dem unebenen Weg, das Knarren der Holzplanken unter seinem Gewicht – jedes Geräusch schien die Welt außerhalb des Wagens zu verhöhnen. Callum spürte, wie sein Körper bei jeder Bodenwelle gegen das harte Holz geschleudert wurde, doch er biss die Zähne zusammen und schwieg. Draußen hörte er die Soldaten lachen und murmeln, die Gleichgültigkeit in ihren Stimmen war spürbar. Für sie war er nichts weiter als eine Last, ein lebendes Symbol eines gescheiterten Aufstands.
Dann wurde der Wagen abrupt gestoppt. Das laute Quietschen der Räder riss ihn aus seinen Gedanken. Hände packten ihn grob, zogen ihn aus dem Wagen und rissen den Sack von seinem Kopf. Das plötzliche Licht blendete seine Augen, und er blinzelte, während sich die Szene vor ihm klarer abzeichnete. Er befand sich in einem Hof, umgeben von hohen Steinmauern, die jede Flucht unmöglich machten. Das Tor, durch das sie gekommen waren, knarzte beim Schließen, und der Wind trug den Geruch von Schweiß, Verwesung und feuchtem Stein heran.
Callum wurde vorwärts gestoßen, und seine Beine gaben unter ihm nach. Ein Soldat stieß ihn mit seinem Stiefel in die Seite, zwang ihn, aufzustehen. Callum biss die Zähne zusammen, weigerte sich, einen Laut von Schmerz oder Schwäche von sich zu geben.
„Vorwärts, Schotte,“ knurrte einer der Männer und zog an der Kette, die um Callums Handgelenke geschlungen war. „Du bist hier nicht, um zu ruhen.“
Er wurde durch das große Tor des Gefängnisses geschleift. Das Innere war noch bedrückender, als die Außenmauern es hatten vermuten lassen. Ein stickiger, modriger Gestank erfüllte die Luft, verstärkt durch den stechenden Geruch nach Blut und Schweiß. Die steinernen Wände schimmerten feucht, und das schwache Licht der Fackeln ließ die Schatten der Wachen lang und bedrohlich erscheinen.
Männer, zusammengedrängt hinter Gitterstäben, starrten ihn mit ausdruckslosen Augen an. Einige murmelten auf Gälisch, Gebete oder Flüche, andere saßen reglos da, in sich versunken. Callum konnte die Resignation in ihren Gesichtern lesen, und ein kalter Schauer kroch seinen Rücken hinauf. Dies war ein Ort der Verzweiflung, ein Ort, an dem die Freiheit starb.
„Setzt ihn zu den anderen,“ befahl der Soldat, der ihn führte. Callum wurde in eine Zelle gestoßen, und die schwere Tür fiel krachend hinter ihm ins Schloss. Die Dunkelheit schloss sich um ihn wie ein klaustrophobischer Griff.
Die Stunden vergingen quälend langsam. Callum beobachtete die anderen Gefangenen, die in der Zelle mit ihm eingesperrt waren. Einige kauerten reglos in einer Ecke, während andere leise miteinander sprachen. Niemand sah sich wirklich an; der Schmerz und die Scham hielten sie voneinander getrennt.
Einer der Männer, ein älterer Schotte mit grauem Bart und tief eingefallenen Augen, musterte Callum schließlich. „Du bist neu,“ sagte er in gebrochenem Gälisch, seine Stimme heiser und schwer.
Callum nickte, seine Kehle war trocken, und er sprach nur mit Mühe. „Culloden,“ murmelte er.
Der Mann nickte langsam. „Wir alle. Es gibt kein Entkommen hier.“ Seine Stimme war monoton, frei von jeglicher Hoffnung.
Callum schwieg, doch die Worte des Mannes hallten in seinem Kopf wider. Er sah in die leeren Augen seines Gegenübers und fragte sich kurz, ob er selbst eines Tages so aussehen würde. Der Gedanke gefiel ihm nicht. Er ballte die Hände zu Fäusten, die Ketten klirrten leise. Nein. Er würde nicht so enden.
Die Stille der Nacht wurde plötzlich durch das Quietschen der Zellentür durchbrochen. Callum hob den Kopf, als ein englischer Offizier eintrat. Die makellose Uniform des Mannes war ein scharfer Kontrast zu der Düsternis um ihn herum. Seine Augen glitten über die Gefangenen wie die eines Händlers, der eine Ware begutachtet.
„Dieser hier,“ sagte er schließlich und deutete auf Callum.
Callum wurde auf die Beine gezerrt und vor den Offizier geführt. Der Mann betrachtete ihn mit einer Mischung aus Verachtung und Interesse. Callum hielt seinem Blick stand, seine blauen Augen starr vor Trotz.
„Ein stures Exemplar,“ bemerkte der Offizier trocken. „Das könnte nützlich sein.“
Callum verstand die Worte nicht, aber die abschätzige Art, wie sie gesprochen wurden, war universal.
„Wohin bringt ihr mich?“ fragte Callum, seine Stimme fest und mit einem Unterton von Wut.
Der Offizier lächelte kalt und beugte sich leicht vor. „Das wirst du schon sehen, Schotte,“ sagte er in gebrochenem Gälisch, bevor er sich abwandte.
Wieder in Ketten gelegt, wurde Callum in einen anderen Teil des Hofes geführt. Sein Blick wanderte, als sie sich bewegten. Er sah die Umrisse eines Hafens in der Ferne, das Flackern von Fackeln, die sich im Wasser spiegelten. Der salzige Geruch der Seeluft wehte zu ihm herüber, ein kurzer Moment der Frische inmitten der Fäulnis des Gefängnisses.
„Ein Schiff,“ murmelte er kaum hörbar. „Sie bringen uns fort.“
„Mach dir keine Hoffnungen, Junge,“ flüsterte einer der anderen Gefangenen, als sie in einer Reihe auf das Schiff getrieben wurden. „Das Leben, das vor dir liegt, ist kein besseres als das hier.“
Callum hörte nicht hin. Während er die Planken des Schiffs betrat, spürte er das Amulett in seiner Hand, spürte die Verbindung zu seinem Bruder, zu seiner Heimat. Für einen Moment schlossen sich seine Augen, und er erinnerte sich an die grünen Hügel der Highlands, an den Wind, der durch die Gräser fuhr.
„Sie haben mich nicht gebrochen,“ murmelte er zu sich selbst.
Unter Deck war es dunkel und stickig. Der Raum war überfüllt, und die Luft war schwer von Angst und Verzweiflung. Callum saß in einer Ecke, die Ketten scheuerten an seinen Gelenken, aber sein Geist blieb wachsam.
Das Schiff legte bald ab, das Schwanken unter seinen Füßen war ein neuer, ungewohnter Rhythmus. Die Männer um ihn herum murmelten Gebete oder weinten leise, doch Callum blieb stumm. Er wusste, dass dies der Anfang einer neuen Hölle war, doch er schwor sich, dass er überleben würde.
Das Flüstern der Wellen erinnerte ihn daran, dass sein Kampf noch nicht vorbei war.